21 & 22.09.2012
Fotoalbum Warm up Night Fankhauser & Band
Fotoalbum Kai Strauss Band
Fotoalbum Samstagnacht Fankhauser & Band
Line up: Philipp Fankhauser - Gitarre, Gesang Hendrix Ackle - Keyboard Angus Thomas -Bass Marco Jencarelli - Gitarren Tosho Yakkatokuo - Drums Horns: Reto Anneler - Sax Lukas Thöni - Trompete, Flügelhorn Till Grünewald - Sax
Und der Blues Louis 2012 geht an Klaus Voormann
Fotoalbum
der Laudator Mike d'Abo
der Preisträger Klaus Voormann
Legenden auf der Lahnsteiner Bühne - die Lanhnstein Blues Allstars
Fotoalbum
Stefan Stoppok - Vocals, Guitar, Cajon,
Mike D'Abo - Vocals, Keyboards,
Chris Farlowe - Vocals,
Klaus Voormann - Bass,
Danny Dziuk - Vocals, Guitar, Hammond,
Michael Lutzeier - Baritone Sax
Fotoalbum Sharrie Williams
Sharrie Williams - Vocals Attila Herr - Bass Chris Jones - Drums Lars Kutschke - Guitar Pietro Taucher - Keyboards
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32. Lahnsteiner Bluesfestival Warm up im Club, Große Gala, Legenden, Heroes & mehr ...
Ein Vereehr-, Lehr- und Lernwochenende
Dank der Haus- und Hofschreiberin Christel Amberg-Wiegand!
Lahnsteiner Blues
Festival, das 32ste inzwischen. So ne lange Zeit hinterlässt Spuren
bei den Musikern und Gästen. Die einen wie die anderen kommen
nämlich immer gern höre ich, die ich das erste Mal hier bin.
Während ich mich hier so umtue, verstehe ich mehr und mehr warum.
Wer leistet sich schon einen Einführungs-, Probe-, Schnupper-,
Kennenlernabend? Das Warm-up also
startet im JUKZ und ich denke noch, ups, solche Etablissements haben
ja gelegentlich so einen wollen-und-nicht-können-Charme und mühen
sich redlich. Aber dies hier ist das ganz anders. Der Buchstabe „K“
machts! Gemütlich, fein, locker, unkompliziert und eben nicht in
diesem Jugendzentrums-Charme, dessen die meisten – ich
eingeschlossen – längst entwachsen sind. Jeder ist engagiert und
mit Herz dabei. Im nachhinein erkenne ich, dass ich all die Größen
des Genres gar nicht gebührend würdigen konnte, ein paar Namen
sagen mir schlichtweg nichts, obwohl sie es hätten tun können, nein
müssen, aber bei der Musik klingelt es dann doch. Und beim Lesen des
Programmheftes denke ich ab und zu „ach ja, ach sooo?!“ Ich freue
mich auf ein Wiederhören mit Stoppok mit seinem minimalistischen
Blues mit maximalen Texten, ebenso Danny Dziuk. Die Kai Strauss Band
ist Neuland für meine Ohren. Ihr frischer, knackiger, schwer
krachender, griffiger Blues mit diesen wunderbaren Klängen aus
diesem Schrank von einer echten alten Hammond-Organ geht
schnurstracks den Weg in den Bauch. Hat man schon mal eine lachende
Hammond gehört? Dieser Jeffrey am Mikro hat ne tolle junge Stimme,
die ist ein guter Kontrast zu der alten, neuen Musik, ist
ausdrucksstark, mit Biss, Inhalt und Seele ohne gekünstelt
schwerlastig zu sein. Gefällt mir. Kai Strauss himself spielt mit
unglaublicher Intensität, legt die Eier und Herz auf die Saiten und
hat offensichtlich Spaß dabei, so wie sich das für einen
Roots-Musiker und Überzeugungstäter nun mal gehört. Blues hat
viele Gesichter, lerne ich an diesem Wochenende. Manche gefallen mir,
manche aber auch nicht. Ich bin nicht so tief blues-verseucht, aber
der und die jetzt kommen, haben es mir angetan. Philipp Fankhauser &
Band sind in als Quartett angekündigt (huch? wer fehlt) und jetzt
stehen alle Fünf auf der kleinen Bühne. Am Sonntag haben sie die
Prime Time direkt vor der Preisverleihung. Der Blues-Louis 2012 an
Klaus Voormann, der seine Dankesrede angenehm kurz abhandelt. So in
etwa „… ich habe ja schon viele Preise verliehen bekommen, aber
diesen hole ich mir ausnahmsweise persönlich ab….“ Und dann
hatte ich noch Gelegenheit, dem Mann die Hand zu schütteln, der
meinen Musikgeschmack sicher wesentlich begründet hat und noch immer
The Voice of HR ist, Werner Reinke. Hätte ich mir nicht träumen
lassen. Soviel zu Lehr, Lern und Vereehr.
Das Warm-up ist
also gerichtet. Schon bei der zweiten Nummer Sunday Morning geht so
ein Hallo!-Gefühl durch den Raum und dann lässt die Band in einem
großen roll-out It’s gonna rain, Jealous Kinda Fella, Feel so good
vom Stapel. Keine Luft und kein Platz für große Worte. Philipp gibt
der Band ihre Namen, die hat längst ihre Visitenkarte auf die
Bühnenbretter gelegt und jede Menge dicken Applaus geerntet. Try my
love … blutendes schweres Herz und eine nachtbelegte Stimme –
wunderbar! Love Man Riding rockt gut, dann kommt eine schneidende
Gitarre und eine Kellerstimme, ein stoischer Bass und Hendrix tobt
das Piano, die warm-up Phase ist längst durch, das Publikum
heiß-heiß-heißer gespielt, irgend etwas ist heute besonders, ich
glaube, es ist dieses miteinander-beieinander-Gefühl, dieses
Einverständnis, das da durchdringt, wohl und angenommen fühlen
kommt beglückend hinzu. Ein Dennis-Walker-Klassiker frisch wie am
ersten Tag: Don’t be afraid of the dark. Hey-how, I’ll be
singin’ the Blues lässt jede Menge Spielraum für die Band und
uns, Angus hockt auf der Treppe, sein Solo gräbt tief und kraftvoll
und kriegt selbstredend! nen fetten Applaus. Irgendwas ist heute….
Down in the Valley ist wie immer Toshos Lärmstunde, er legt ein
fulminantes Solo dahin, bearbeitet die Schüsseln und Becken von
links nach rechts und zurück, peitscht sich selbst hoch, two…
three…. two…. three…. und dann steigt die Band ein und lässt
ihn frei. Boah, was eine kraftstrotzende Drumpower! Da ist selbst die
anwesende Konzertpolizei hoch beeindruckt. Mein Nebenmann jedenfalls
dreht sich schon beim zweiten Song mit einem
überrascht-erstaunt-anerkennenden Nicken zu seinem Kumpel. Ein
kurzer Break verschafft Zeit zum Luft holen und schneller Inventur.
Mit Mercy Me kommt Hendrix aus der kurzen Verschnaufpause in die
Zugabe. Er ist auch so einer, der glaube ich am liebsten in sein
Instrument kriechen würde, er gibt alles was er zu geben hat an
Stimme, Feeling und Blues. Irgendwie verschwindet er ganz und gar…
Der Applaus für’s Wiederkommen geht auf in Members only. Noch ein
Copeland-Kracher Pie in the Sky, sozusagen im Kulturauftrag, kracht
anständig und ist geladen bis unter die Haarspitzen. Eine
Energiepackung sondersgleichen! Philipp holt sich Jeffrey Amankwa auf
die Bühne, der sorgt mit seiner entwaffnenden Unbekümmertheit für
zusätzliches Knistern und so wird’s ein fulminanter Showdown.
Chapeau, meine Herren! Morgen sitzen ein Menge mehr Fans in den
Stühlen.
Arnim Töpel
spricht in seiner Anmoderation von Body+Soul Food, verspricht
gesunde, lebenserhaltende Nahrung, die der Blues nun mal ist. Er
verteilt schon jede Menge Vorschusslorbeeren für Philipp Fankhauser
und Band – heute mit Horns als glänzendes on Top. Sie erweisen
sich dem mehr als würdig. Mit allen Wassern aus dem heiligen Land
des Blues gewaschen und geehrt, sind sie hier auf die Bühne des
Lahnsteiner Bluesfestivals gekommen und machen es drissegal, welches
Nummernschild ihr Tourbus hat. Ihr Blues kommt aus sich heraus und er
ist gut, verdammt gut. Der Blues umarmt uns alle, wird gesagt, und
heute Abend wird es eine sehr stürmische Umarmung, die ich noch
lange an und in mir fühle. Fankhauser und
seine Band spielen in einer eigenen Liga, darüber sind wir uns
einig. Punkt. Und was mir daran so außergewöhnlich ist, ist dieser
Schuss Funky, R&B, Soul, mit schlichter unaufgeregter Eleganz und
einer großzügigen Gelassenheit für die Band, wo jeder für sich
glänzt und sich nichts wegnimmt aber gegenseitig feiert und
gemeinsam brilliert. Die Fankhauser-Truppe ist eine Band im besten
Sinne, hören, sehen, fühlen auf gleicher Frequenz. Dieser
Gentlemans’ Blues hat Rasse und Klasse, Stil und Glanz und doch
tiefste Ehrlichkeit und natürlich Power, Präsenz und dieses
Feeling, dieses Kribbeln, dieser unruhig, wibbelig, zappelig machende
rollende Groove. Diesen Blues spüre ich im Bauch und jedem Muskel
und an jeder Nervenfaser. Mir ist, als käme der Blues hierzulande
eher puristisch daher. Und hier leistet sich einer einen heißblütigen
Bläsersatz. Philipp hat eine 7köpfige Band hinter sich, die macht
mächtig Alarm und er durchdringt mit seiner leicht reibigen,
lebengetränkten, weichen, runden ungemein sexy Stimme diesen
glasklaren Sound und reißt da was. Dann spielt er diese Gitarre „…
I’m playing this old guitar, the only friend I found…” singt
er, einer, der seiner Gitarre alles erzählt und die auf die beste
Art zu antworten weiß und da wird jedes Wort und jeder Ton zur
Wahrheit. Dieser Blues kommt aus der Stadt. Der andere kommt von den
Baumwollfeldern. Vielleicht liegt hier das Geheimnis. Liegt es am
bluesbegeisterten Publikum oder machen Philipp und seine Band heute
etwas anders als sonst? Tun sie das? Ich glaube nicht. „… live
my life best I can“ bekennt Philipp pur und ohne Mikro und fast
ohne Begleitung im ersten Song. Diese Ehrlichkeit ist fast schon ein
Glaubensbekenntnis und jeder im Saal weiß was gemeint ist. Und so
dauert es nicht mal einen Song, bis Band und Publikum lichterloh in
Flammen stehen. Es knistert, hatte Arnim Töpel versprochen. Es
knistert gewaltig. Sind etwa noch mehr Blueshormone, -pheromone,
-vitamine als sonst unterwegs? Es ist ein tolles, aufmerksames
Publikum. Es kennt natürlich die Zeremonien und vergibt jede Menge
Sonderapplaus. Gonna Rain packt
den Saal gleich zu Beginn. Phillip geht ein paar Schritte in den
Hintergrund und lässt Marcos Gitarre ziehen, klar, schneidend,
bissig, krachend, wie sich das für eine Blade gehört. Philipps
Gibson klingt reich und voll und rund, mit viel Volumen. Alles ist
voller kleiner roter Blitze, die im Dunkel verglühen, beides ist
Feuerwerk. Null Routine. So macht’s am meisten Spaß! Feuer schüren
und ohne Cut Jealous Kinda Falla nachlegen. Marco beginnt, Lukas
Thöni an der Trompete schneidet sich tief ein, Hendrix wichst die
Tasten, Teufelswerk und (Blues)Gottes Beitrag, sie spielen sich
gerade gegenseitig in den Himmel, in den Rausch. Das klingt heute so
überschäumend, so satt, so prall, verdammt, sind sie gut heute, ich
hatte es fast vergessen. Es ist wie überkochende Lava, die mit
gewaltiger Wucht in die Atmosphäre gestoßen wird. Und so fühlt
sich auch die Luft an. So geht das weiter. High Voltage. Non Stop.
Blues ain’t nothing, noch so ein Bekenntnis und Try my love, ein
bisschen ruhiger, gefühlvoll, jenseits von Kitsch. Nur wer brennt
kann solche Songs schreiben. Es ist really Body & Soul. Philipp nimmt sich
nicht viel Zeit für Plaudereien. Er kredenzt seine Band. Am Backdrop
kann man zwar die Namen lesen, doch so bleiben sie Fleisch und Blut.
Noch ne kleine Anekdote, ein bisschen Euro-Ketzerei und gegen
Schokolade-Käse-Müsli-Klischees. Das soll es gewesen sein an
verbaler Kommunikation. Alles andere macht sowieso die Musik. Da ist
es völlig wurscht, ob sie aus der Schweiz kommt oder aus dem Süden
der USA, was zählt ist, dass sie gut ist. Das ist sie –
unüberhörbar gut! In meinem Rücken hörte ich des Öfteren das
Wort: Respekt! Die Jungs spielen mit soviel Fun ganz nah beieinander
und sie haben Selbstbewusstsein vor neuem Publikum. Sie wissen wie’s
geht, zwischen Publikumserwartung und ihrem Sein klafft keine Lücke. Fankhauser als
Coverband *haha*, wegen Don’t be afraid of the Dark? Der Master
Dennis Walker höchstselbst hat’s geformt und gewürdigt. Hier
kommt der Beweis, dass es eigenständig und ohne Seitenblick und
Spickzettel funktioniert. Sehr jung, spritzig mit dem Sound der
Bläser, hell, klarer Verstand. Das macht einfach verdammt gute
Laune. Das ist es, was ich am Fankhauser Blues so mag. Er macht gute
Laune noch besser und den Blues in mir nicht dumpf. Es ist Glück in
Noten. Auch in den kleinen Dingen, solchen Songs wie Roadhouses &
Automobiles. „ … a sad song, if you read between the lines …“
Phillip gibt diesem Leben seine Stimme, trägt das Herz auf seinen
Händen, es ist die pure Magie. What a man. What a song. A singer
needs a song. A song needs a singer. Hier sind sie beieinander. Im
nächsten Moment geht die Post ab. Phillip holt das Sax nach vorn,
Hendrix ist im Boogie Part, es geht los… Marco geht mit Angus
fliegen und wir fliegen mit. Flighing High ist das Motto. Eine
riesige Welle rollt, Publikum schwingt mit, fliegt mit, hoch,
losgelassen von allen guten Geistern geschüttelt. Hey, how, hey, how
rollt durch die Stadthalle. Überschäumend. Überwältigend. I’ll
be singing the Blues. Das ist mehr als „eine gewisse Freude auf die
Bühne gebracht zu haben…“ Es ist das, was Blues ist: Norden,
Süden, Osten, Westen, Himmel, Sonne, Mond und Erde, Wasser, Luft,
Feuer, es ist das Material, die Substanz und es ist die Art, wie sie
es machen was mich jedes Mal umhaut. Was mich in den Sessel drückt
und dann wie mit nem Schleudersitz in die Luft feuert. Um diese Atem
raubende Explosion von oben zu erleben. Bei der Ankündigung für
Solomon Burkes’ Down in the Valley fordert Phillip solange Applaus
ein, bis er angemessen und dem würdig erscheint. R&B at it’s
best – das ist gelebte Musik. Ein unfassbar temperamentvolles, irre
treibendes, vorwärts preschendes, peitschendes, kaum zu bremsendes
Drumsolo. Normal ist das nicht. Jedenfalls nicht in
Blueslandschaften. Gefühlte Ewigkeit später kommen Marco, Hendrix
und Angus zurück und peilen auf ihren Einsatz. Ein Wunder, dass
Tosho noch zu Kommunikation fähig ist. Es geht noch über drei
Runden… und viel viel Rhythm und viel viel Blues.... Die Band noch
mal beim Namen nennen, Emmenthal is where I come from und mein Name
ist Philipp Fankhauser, das wissen jetzt ALLE. Unser aller down down,
dep-down, de-down-down dep-down ist das Brennprogramm für die
Festplatte. Die Zugaben sind
das Schaulaufen nach der Kür. Standing Ovations, wir sind hier in
Lahnstein, das tut soooo gut! Es sieht ganz so aus, als seien Philipp
Fankhauser & Band angekommen in diesem würdigen Bluesmekka.
Kamen als Nobody, gehen als Shooting Star oder zumindest als künftige
feste Größe, haben Marker in allen Köpfen gesetzt. Viele
hochrangige Medienvertreter sind vor Ort, Print und TV. Medienpräsenz
im SWR und DLF ist schon gebucht. Es wäre toll, wenn dies zum
Sprungbrett für Philipp Fankhauser wird. International hat der Mann
schon mit wirklich allen Größen des Fachs gespielt und in diesesm
Jahr Montreux eröffnet. Es ist also höchste Zeit für Deutschland.
Über dieses kleine, völlig unbedeutende Spannungsverhältnis D-CH
spielt die Fankhauser-Band doch locker hinweg! Wenn denen also in ein
paar (Paar!) Jahren Deutschland zu Füßen liegt, können wir sagen:
wir waren dabei als es losging. Members Only
schickt mich noch mal tief in die Seelenpein, ein Song wie ein
Gemälde mit einem beseelten Saxophon, zum Niederknien, inne halten,
andächtig nach innen schauen, den Roten (oder trinkt man beim Blues
Whiskey?) in kleinen Schlucken goutieren und dabei dem Dampf der Zigi
sinnend hinterher gucken… Ein Song voller gebrochener Liebe,
einfach wunderschön, come on Till, noch einmal, sagt Phillip seinem
Sax und Marco malt tönerne Scherbenhaufen.
Nach dieser
grandiosen Show finde ich es schwer noch etwas draufzusetzen. Obwohl
Sharrie Williams & The Wiseguys hier laut Programmheft schon
legendäre Sternstunden hatten, haben sie es ganz schön schwer. Das
hat Sharrie weiß Gott nicht verdient, denn sie ist eine absolute
Powerfrau mit einer aufregenden Stimme, ihre Musiker sind auch nicht
von schlechten Eltern und ihr rockiger Gospel Blues macht Laune. Mir
persönlich ist da zuviel Gospel drin, zuviel Predigt, wenn auch in
Powerversion. Ich finds toll, aber es ist mir to much. Vielleicht bin
ich auch müde wie viele andere auch. Die Reihen leeren sich. Wie
nach einem reichen opulenten Menü ist man satt aber es kommt noch
was. Mitnehmen, aber ohne den rechten Genuss. Schade drum. Vielleicht
ein andermal. Aber was für ein
Auftakt dieses Abends! Die Macher haben ein gutes Händchen bewiesen.
Gerade zu Beginn flanieren noch nicht wenige auf diesem schreiend
gemusterten postmodernen Teppichboden und legen sicher einen kleinen
Sprint hin, als Phillip Fankhauser & Band die ersten Töne
loslässt… Auf den Stehplätzen steht jedenfalls niemand still.
Vielleicht hat Klaus Voormann ein Stück Zukunft des Blues gesehen.
Dem Leben ein Stück näher und dem Blues ein Stück tiefer, den
Urwahrheiten der Musik ein kleines bisschen was abgeluxt. Jungs, ich
verneige mich, vielen vielen Dank für zwei wunderbare, berauschende
Abende!
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02.06.2012
Fotoalbum
Die Musiker: Philipp Fankhauser - Gitarre, Gesang Hendrix Ackle - Keyboard Angus Thomas -Bass Marco Jencarelli - Gitarren Simon Kistler - Drums Horns: Thomi Geiger - Tenorsax Lukas Thöni - Trompete, Flügelhorn Marc Schödler - Altsax, Baritonsax
Link > Bluesclub Baden-Baden<
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Philipp Fankhauser & Band im Bluesclub Baden-Baden DAS nenn ich mal ne amtliche Ankündigung !!!
Der Zauberer von Oos
Dank der Haus- und Hofschreiberin Christel Amberg-Wiegand!
Es
ist noch viel zu hell für Blues, geht mir gerade durch den Kopf, und
gleichzeitig zeige ich mir den Vogel, schließlich spielt Philipp
Fankhauser nicht das erste Mal unter Tageslichtbedingungen. Doch
dieser Showroom der Nobelklasse mit dem Stern ist eine hohe Hürde,
geht da Clubfeeling? Philipp und seine Jungs eröffnen die
Beweisführung herrlich relaxt mit Sunday Morning. Kein Zweifel,
diese extremst rattenscharfe Band ist bestens aufgelegt, die
Horns-Section gibt dem ganzen einen Schuss Schmutz auf die Schippe
oder diese coole Eleganz, darüber Philipps Stimme, nicht mehr
jugendlich ungestüm und – heaven - lange nicht bei der großen
Altersweisheit. Getreu dem Motto des Hauses: Das Beste oder Nichts
liefern die Jungs feinsten reinsten Blues, locker durchmischt mit ein
bisschen Funk, Soul und R&B, leicht, luftig. Fankhauser ist
Fankhauser, unverwechselbar, von wegen sounds like oder so… ein
Klassiker wie Don’t Be Afraid Of The Dark ist ein funkelndes
Schmuckstück. Dieses wunderbar unaufgeregt und doch ungeheuer
aufregend überfällt mich jedes Mal aufs Neue. Ja, verdammt, es ist
diese Art Blues vor dem du keine Angst haben musst, dass du in eine
tiefe Depression stürzt oder dich aus dem Fenster schmeißen willst.
Obwohl... er hat schon seine Momente, da geht es unter die Haut und
packt dich wie ’ne kalte Hand ums Herz. Too Little Too Late ist so
einer, „zu spät“ konnte noch nie eine win-win Situation werden.
Try My Love und Members Only tropfen wie ein süßes Gift langsam in
die Blutbahn. Blues-Balladen haben schon immer ein extremes
Kniezitterpotential – einfach zum Dahinschmelzen. Roadhouses And
Automobiles ist eigentlich so ein typisches Singer-Songwriter-Ding
und auch das geht bei Philipp verdammt gut. Und
dann gibt’s da diese Kracher: Gonna Rain mit den saftig smoothigen
Horns hinter sich, Jealous Kinda Fella hinten drauf und der Rhythmus
geht sofort in Bauch-Beine-Po, Hendrix switscht, flitscht über seine
B3, ich liebe diesen Sound und mit I Feel So Good geben sie richtig
Gas, Marco, what a man, what a guitar, spielt sich mal wieder auf die
Zehenspitzen und in Rückenlage, die Lawine kommt endlich ins Rollen.
Höchste Spaßkultur auf der Bühne und das holt uns aus der Reserve:
„Habt ihr Eintritt bezahlt? Dann tut mal was dafür!" Die Order ist
klar, aber die Pause bremst uns wieder aus. Schade. Das Break in die
Pause kommt gefühlt immer zu früh, wir waren gerade warm
miteinander. Aber `ne Zigi und’n Bier kommen gut jetzt. Der
Re-Start ist schwer „live my life best I can“, und einige sind
noch im Dauerredemodus, sie werden gekonnt angezählt, danke!
Flighing High strotzt dann vor guter Laune, da geht wirklich die Kuh
fliegen, hey how! Ein fettes Solo, chaca chaca auf den dicken
Stahlsaiten, San Antone geht direkt über in ein ausgelassenes Down
On Your Bended Knees, Philipp geht mit seiner Gibson auf Tuchfühlung,
nimmt sich viel Zeit und lässt uns nicht von der Leine. Aber:
„einigt euch auf einen Beat, alles andere ist ZDF-Fernsehgarten“
und zum ersten Showdown „Come on!“ Ein ausgelassenes Sax, tief im
Knie gerotzt und die letzte Zurückhaltung geht flöten. Marco knallt
dem Drummer (Simon Kistler ist heute für Tosho am Set) ein paar
krachende Beats entgegen und lässt ihn laufen, die Band steigt
wieder ein zum finalen Down In The Valley und auch das funky down
down üben wir noch, versprochen. Der
Applaus ist ehrlich und aufrichtig begeistert und Hendrix spurtet wie
immer erstmal allein auf die Bühne. Ein echtes Leckerchen, Augen-
und Ohrensex, tief, erdig, lässig peitscht es ein, ich denke es ist
Mercy (On) Me. Großes Kino. Members Only macht uns wahrscheinlich
alle ganz wuschig für die Nacht, deshalb klappt das give away für
den Schlussakkord überhaupt nicht. Auch das üben wir noch,
versprochen. Der Zauberer von Oos, Philipp Fankhauser und Band, vom
Start weg 100 %ige Präsenz, brillant, charmant und absolut
really-it’s-him! hatte es ein bisschen schwer heute. Ich denke, es
lag an der Lokation, die einfach den allerletzten Kick nicht hat
überspringen lassen. Nichts desto trotz kriegen wir es noch mal fett
„Trumpet, lets go“, Pie In The Sky und noch eine letzte Zugabe
für den Nachhauseweg und zwei unumstößliche Weisheiten: „the
blues are the true facts of life“ und „if it’s boring it ain’t
blues“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Ach, doch: wer groß
rauskommen will, muss klein anfangen: 29 Jahre nachdem Philipp auf
dem Montreux Jazz Festival Mr. Copeland himself sehr unerschrocken
seine Aufwartung gemacht hat, betritt er mit seiner
exzellenten Truppe eben dort am 29. Juni die Bühne der Miles Davis
Hall! Herzlichen Glückwunsch!
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